Fast könnte man glauben, im Online-Zeitalter sei gedrucktes Papier nicht mehr viel wert. Doch wir haben offenbar noch nicht jedes Gefühl für die faßbaren Dinge verloren – zum Glück. Die Wissenschaftlerin Anne Mangen von der norwegischen Universität Stavanger hat mit ihren Kolleginnen und Kollegen vergleichend untersucht, wie gut wir Texte verinnerlichen, wenn wir sie auf dem Papier oder auf dem Compterbildschirm lesen. Sie kommt in ihren Untersuchungen zu einem überraschenden Ergebnis.
Papier spricht zu Deinen Gefühlen
Unser Gehirn scheint mit Informationen von einem Bildschirm anders umzugehen, als mit Informationen, die wir von einem Papier oder Buch aufnehmen, das wir in den Händen halten.

So schreibt Anne Mangen im Fazit zu ihrer Untersuchung: „Die Ergebnisse zeigten deutlich, dass diejenigen, die am Computer gelesen hatten, weniger verstanden hatten als diejenigen, die auf dem Papier lasen. (…) Ein offensichtlicher Unterschied zwischen PC-Bildschirmen und Papier ist, daß Papier Material ist. Sie können das Gewicht spüren, Textur und Dicke einer Broschüre oder eines Buches. Sie können sehen, wo es beginnt und endet. Du kannst schnell mit den Fingern durch die Seiten blättern. Diese wahrnehmbare, direkte Erfahrung gibt dir eine mentale Landkarte des gesamten Textes. Das Gehirn hat eine leichtere Aufgabe, wenn sie beim Lesen etwas berühren können.“

Was Bildungspolitiker beachten sollten
Anne Mangen hat bei ihren Forschungen außerdem mit den Wissenschaftlern David Miall und Don Kuiken von der Universität Alberta in Kanada zusammengearbeitet. Die Professoren für Literatur und Psychologie betonen, daß auch beim Lesen sehr deutlich wird, daß „Körper und Geist miteinander verbunden sind. (…) es gibt eine viel größere und engere Verbindung zwischen dem, was wir fühlen – also mit unserem Körper tun – und was wir verstehen“.
Den an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftlern erscheint es deshalb besonders wichtig, daß wir uns an unseren Schulen nicht allzu euphorisch auf die digitalen Medien stürzen sollten und dabei die klassischen Medien vollkommen verdrängen. Lesen und Lesen bringt offensichtlich im Ergebnis nicht immer dasselbe.
Quelle: Universität Stavanger
© Andreas Beer
